Kurdische Peschmerga kurz vor der Offensive. ©Warzer Jaff

Mossul Offensive: Das Ende Einer Jahrelangen Terrorherrschaft

Silêmanî, Kurdistan – Kurdische und irakische Truppen haben in der Nacht auf Montag die Millionenstadt Mossul unter massiven Artilleriebeschuss genommen und damit die Offensive um die größte, vom „Islamischen Staat“ gehaltene Stadt begonnen. Mehr als 30.000 kurdische Peschmerga und 80.000 irakische Soldaten sind an der Operation beteiligt.

Iraks Ministerpräsident Haider al-Abadi verkündete in der Nacht zum Montag, dass er den Befehl zum Angriff auf die Stadt gegeben habe und die Offensive nun laufe. Eine Nacht zuvor hatten bereits kurdische Truppen Außenbezirke der Stadt unter Beschuss genommen. Mossul ist mit knapp zwei Millionen Einwohnern die mit Abstand größte, von den Terroristen kontrollierte, Stadt.

"Die Zeit des Siegs ist gekommen und die Operationen zur Befreiung von Mossul haben begonnen", sagte Abadi in einer Ansprache im Staatssender Irakija. "Heute erkläre ich den Beginn dieser siegreichen Operation, um Euch von der Gewalt und dem Terror des IS zu befreien", sagte er an die Bevölkerung Mossuls gewandt.

Der kurdische Präsident, Masud Barzani, lies auf seiner Homepage verlauten: „Ich hoffe aufrichtig, dass diese Operation erfolgreich sein wird und wir gemeinsam die Menschen in Mossul von der Tyrannei der IS Terroristen befreien werden. Auch hoffe ich für eine sichere Rückkehr der Vertriebenen in die Ninive Provinz.“

In den ersten 48 Stunden werden kurdische Peschmerga die Offensive an der Ostfront anführen, dort befinden sich auch die meisten kurdischen Ortschaften und Stadtteile. Danach wird die irakische Armee übernehmen und in die arabischen Teile der Stadt einmarschieren. Unterstütz werden die Bodentruppen von Kampfflugzeugen der Anti-IS-Koalition.

Der US-Sonderbeauftragte für die Internationale Allianz gegen den Islamischen Staat, Brett McGurk, twitterte kurz nach Ankündigung der Offensive: „Viel Erfolg an die heroische, irakische Armee, kurdischen Peschmerga und Ninive Freiwillige. Wir sind stolz bei dieser historischen Operation an eurer Seite zu stehen.“

Der FDP-Politiker Tobias Huch, in den letzten Jahren mehrmals in Kurdistan gewesen, sagt gegenüber Corduene: „Wir Europäer sollten den Kurden für die Verteidigung unsrer Freiheit dankbar sein. Ich bin von einem Erfolg der Peschmerga überzeugt, da ihr Kampfeswille von niemandem überboten werden kann.“

In Telefongesprächen mit Bewohnern Mossuls konnten Aktivisten die Freude der Menschen förmlich spüren. „Sie weinen vor Freude. Sie wissen um die Gefahren der Offensive, aber sie weinen vor Freude, sie wollen endlich von diesem Übel befreit werden,“ sagt Rashid al-Muslawi, ein junger Aktivist der beim Angriff des IS nur knapp aus Mossul fliehen konnte.

Die gemeinsame Offensive von Arabern und Kurden scheint auch zu einer Annäherung beider Volksgruppen zu führen. Noch am frühen Morgen begann das irakische Staatsfernsehen Bilder kurdischer Peschmerga zu zeigen und patriotische kurdische Musik zu spielen, undenkbar vor wenigen Jahren noch. Laut kurdischen Politikerkreisen heißt es, dass Bagdad sich auf die kurdischen Bedingungen zu Teilnahme an der Mossul-Offensive eingelassen habe. So verlangen die Kurden, dass alle von ihnen befreiten Gebiete auch weiter unter ihrer Kontrolle bleiben. Dazu gehören auch die ölreiche Stadt Kirkuk und die mehrheitlich jesidisch-kurdische Stadt Sindschar.

Auf die Situation angesprochen, antwortet ein kurdischer Peschmerga selbstsicher: „Unsere Unabhängigkeit wird kommen, ob Bagdad es nun will oder nicht. Was Bagdad heute aber beeinflussen kann ist die zukünftige Beziehung zum unabhängigen Kurdistan. Will man einen Feind oder einen guten Nachbarn?“

Der Irak scheint sich für den guten Nachbarn entschieden zu haben und die Kurden nehmen dieses Angebot mit ihrer Teilnahme an der Mossul-Operation dankend an.

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