Bandmitglieder Simon, Timo, Florian, Cristopher und Nico. ©JOLEEN

JOLEEN - Wuchtiger Amerika-Rock aus Süddeutschland

Wuchtiger, amerikanischer Rock aus dem ruhigen Rheinhessen - Das sind JOLEEN. Mit Auftritten bei Rock am Ring und Rock im Park legen die Aushängeschilder der lokalen Musikszene dieses Jahr mächtig los. Wir haben uns mit der Band unterhalten, um mehr über ihren Werdegang und die Inspirationen für ihren kennzeichnenden Sound zu erfahren.

Corduene: Erstmal herzlichen Glückwunsch zum ersten Platz bei der Rockbuster Vorrunde Jungs! Wie war es für euch, mit Leuten wie Max Giesinger zu spielen?

JOLEEN: Danke, danke! Natürlich macht es Spaß, mit größeren Künstlern auf einer Bühne zu spielen. Das tolle an so einem Auftritt ist aber nicht die Frage wer diese großen Künstler sind, sondern tatsächlich dieselben Umstände zu genießen, also eine große Bühne zu haben, eine tolle Crew im Hintergrund und so weiter. Was man aber konkret zu Max sagen kann, ist, dass er ein sehr nahbarer Kerl ist. Keiner, der jetzt abhebt oder so etwas.

Corduene: Stellt euch doch mal vor für die, die euch noch nicht kennen.

JOLEEN: Angefangen hat alles damit, dass wir „Stereoswitch“, also die Vorgängerband sozusagen, haben sterben lassen.  Es hatte sich irgendwie so angefühlt, als müsste es einen Schritt weiter gehen. Wir sind viel konzentrierter an alles rangegangen, haben unser Songwriting komplett umstrukturiert und verfolgen unsere Ziele viel intensiver. Dazu kam, dass wir eine dritte Gitarre (Simon) mit ins Set genommen haben und ein Schlagzeugwechsel (Nico) bevorstand. Da war es irgendwie logisch, dem Kind einen neuen Namen zu geben. Unserer Musikrichtung sind wir aber treu geblieben: Straighter amerikanischer Rock aus Deutschland würden wir das nennen. Unsere Einflüsse kommen einfach zur Hauptsache von drüben. Da wären Bands wie die Foo Fighters, Three Days Grace, Breaking Benjamin, Deftones, Underoath … alles Bands, die wir schon immer gehört haben. Ich würde sie zwar nicht alle in den Topf zu den Einflüssen packen wollen, aber irgendwie ist es doch das, wo wir hergekommen sind.

Corduene: Euer Line-Up hat sich in den letzten Jahren ein wenig verändert. Woher kam die Inspiration, mit drei statt zwei Gitarren zu spielen und wie hat das euren Sound beeinflusst?

JOLEEN: Eine Inspiration in dem Sinne hatten wir gar nicht. Also diese Geschichte von wegen „Hey man, ich hab da gestern ein Bild gesehen, da war eine Band mit drei Gitarren, lass das auch mal machen“, die gab‘s bei uns nicht. Es war mehr ein schleichender Prozess. Die Idee, die Gitarren bei uns auszubauen gab es tatsächlich schon sehr lange. Wir sind, was solche Dinge anbelangt sehr experimentierfreudig und versuchen immer mal wieder etwas Neues. Flo hat dann irgendwann angefangen, die Songs für drei Gitarren zu schreiben und wir haben gemerkt, dass das sehr gut funktioniert und sich gut in den Gesamtsound einbettet. Die Frage, wer eine solche dritte Gitarre übernimmt war eigentlich gar nicht so schwer. Simon kennen wir alle schon ziemlich lange. Mit Tautz ist er zum Beispiel auf die Schule gegangen und mit Flo hat er zeitweise in einem Metalcore-Projekt gespielt.

Vom Sound her gesehen haben die drei Gitarren sowohl Vor- als auch Nachteile. Für uns und unser Songwriting ist es einfach Gold wert. Wir können in der Strophe ein bisschen zurückfahren, ohne den Druck zu verlieren und Flo kann sich viel besser auf den Gesang fokussieren. Ironischerweise hat Timo am Bass hierbei allerdings den schwersten Part bekommen. Er muss enorm genau spielen, weil er für die Akzente verantwortlich ist. Er und Nico sind in dem Sinne quasi die Gitarrenpolizei, die aufpasst, dass wir anderen nicht über die Stränge schlagen. Aber zugegeben, wir merken, dass der ein oder andere Tontechniker manchmal etwas überfordert ist. Das Problem hierbei ist hierbei oft, dass wir uns sehr viel Mühe dabei gegeben haben, die Spuren zu differenzieren. Im Ergebnis bedeutet das, dass keine der Gitarren irgendwann im Set das Gleiche spielt wie eine andere. Das klingt verdammt gut, aber es ist eben eine Herausforderung für den Mann am Pult.


Corduene: Lasst uns über euer Lied „Time Flies“ sprechen. Eure Musik fesselt den Zuhörer durch harmonische Wendungen und reine Rock Power stark an das Geschehen. Worum geht das Lied textlich gesehen genau?

JOLEEN: „Time Flies“ dreht sich tatsächlich um Flos lyrisches Lieblingsthema. Die Zeit vergeht und du kannst sie nicht aufhalten. Das mag für eine Band, die Mitte / Ende zwanzig ist enorm theatralisch klingen, aber kennen wir das nicht alle? Du erinnerst dich immer an die „guten alten Zeiten“. Ob das bestimmte Erlebnisse oder Lebenssituationen waren, spielt dabei keine Rolle. Du erinnerst dich und hast direkt wieder dieses Gefühl von damals. Der Song fordert dazu auf, bei all dem aber nicht zu vergessen, dass es weiter geht. Dass die Zeit sich eben nicht aufhalten lässt und dass man aus genau diesem Grund jede Sekunde genießen und aktiv erleben sollte. Wir sitzen heute alle vor unseren Smartphones oder schauen irgendeinen stupiden Schwachsinn auf RTL. Der Gedanke, irgendwann einmal zurückzuschauen und festzustellen, dass man mit so etwas seine besten Zeiten vergeudet hat… irgendwie kommt da ein komisches Gefühl hoch.

Corduene: Dieses Jahr passiert so einiges bei euch. Wie kam es dazu, dass ihr bei  Rock am Ring und Rock im Park spielt? Vor einem Jahr habt ihr am ersten April noch Witze über eine Deutschlandtournee gemacht – ist für euch mit den Festivalauftritten nun ein Traum wahr geworden?

JOLEEN: Als Rock am Ring 2015 nach Mendig gezogen ist, hatte die Verbandsgemeinde einen Bandcontest ausgeschrieben. Aus über 300 Bewerbungen wurden am Ende fünf Bands ausgewählt, die live vor einer Fachjury um einen Slot beim Festival „kämpfen“ konnten. Leider sind wir damals nicht als Siegerband vom Platz gegangen, aber Marek Lieberberg, der in der Jury saß, kam direkt nach der Verkündung auf uns zu und hat uns seine Unterstützung zugesichert, 2016 Teil des Line-Ups zu werden. Und er hat Wort gehalten. So komisch es klingen mag: Für uns war es tatsächlich besser, den Contest im letzten Jahr nicht zu gewinnen. Auf diese Weise haben wir nun die Ehre, bei beiden Festivals zu spielen und außerdem – und hier werden wir sehr ehrfürchtig – steht JOLEEN auf jedem Festivalshirt, jedem Plakat und so weiter. Einfach unglaublich.

Zu sagen, dass dies kein Traum ist, der da wahr wird, wäre komplett gelogen. Wir haben uns gerade vor Kurzem wieder darüber unterhalten, wie es war, als wir die Live-Übertragungen damals noch auf MTV geschaut haben und uns vorstellten, wie es wäre, einmal Teil hiervon zu sein. Jetzt wird das Ganze wahr.  Es ist ein unbeschreibliches Gefühl. Aber das Größte daran ist für uns die Tatsache, dass es nicht irgendein komisches Online-Voting oder so etwas war, sondern verdammt nochmal Mr. Lieberberg himself, der unsere Musik so gut fand, dass er uns persönlich für seine Festivals gebucht hat.

Corduene: Was kann man von euch 2016 noch erwarten? Habt ihr noch weitere Pläne oder ruht ihr euch nach dem Sommer erstmal auf euren Lorbeeren aus?

JOLEEN: Also von Ausruhen kann keine Rede sein. Und auf welchen Lorbeeren überhaupt? Die Arbeit fängt jetzt erst an. Wir werden zusehen, dass wir noch einige Shows dieses Jahr spielen. Wir müssen jetzt am Ball bleiben und werden richtig Gas geben, damit das hier nicht nur eine Eintagsfliege wird - wir haben viel vor mit JOLEEN.

Corduene: Wir freuen uns darauf, noch mehr von euch zu hören in Zukunft! Danke für das Interview, Jungs!

JOLEEN: Danke, dass wir hier sein durften!

 

JOLEENs erstes Musikvideo "Free Your Mind"

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