Saudische Botschaft in Berlin als "Daesh Bank" beleuchtet. ©PixelHELPER

Protest in Berlin: Erdogan & Hitler, Saudische Botschaft als IS-Bank

Berlin, Deutschland – In der Nacht von Freitag auf Samstag haben Aktivisten der Gruppe „PixelHELPER“ das Berliner Botschaftsgebäude Katars mit einer Lichtinstallation beleuchtet, die mit dem Schriftzug „Qatar 2022 – Build by Slaves“ auf die miserable Situation von Arbeitern in dem Golfstaat hinweisen sollte. Berliner fanden die Aktion großartig.

„Ich glaube das ist eine großartige Methode um gegen die Ausbeutung und unfaire Behandlung von Arbeitern zu protestieren,“ sagte der 24-Jährige Berliner, Tobias Müller, der die Installation noch in der Nacht gesehen hatte.

„Die Menschen sehen meistens nur die schönen Stadien und Touristenorte während dieser Großveranstaltungen, aber sie haben keine Ahnung von den Umständen, in denen die zuständigen Arbeiter leben,“ fügt der Student an.

Schon am Abend zuvor hatten die Aktivisten eine weitere Lichtinstallation eingesetzt gehabt. Die Flagge des sogenannten „Islamischen Staates“ wurde mit der Überschrift „Daesh Bank“ auf die Botschaft Saudi-Arabiens projiziert, um gegen „Saudi-finanzierten Terrorismus“ zu protestieren. „Daesh“ ist das arabische Akronym für den IS.

Oliver Bienkowski, Chef von PixelHELPER, sagt, dass die Gruppe mit ihrer Aktion auf die Zustände im Golfstaat aufmerksam machen will. „Wir wollten auf die saudischen Geldquellen für Terrorismus und auf die unfaire Inhaftierung des saudischen Bloggers Raif Badawi aufmerksam machen.“

Saudi-Arabien und andere Golfstaaten wie Kuwait oder Katar wurden oft der Terrorismusförderung und der Ausbeutung ausländischer Arbeiter beschuldigt. Sie sollen vor allem bewusst hinwegsehen, wenn reiche Bürger ihrer Länder dubiose Gruppierungen im Ausland finanziell unter die Arme greifen.

Für die Gruppe um Bienkowski waren diese beiden Aktionen nicht das erste Mal indem sie gegen ein Regime des Nahen Ostens protestierten. Anfang Mai hatte die Gruppe zwei Portraits an die türkische Botschaft projiziert – Eins von Adolf Hitler und das andere direkt nebendran vom türkischen Präsidenten Erdogan, dessen Befehle zu einem regelrechten Bürgerkrieg in den kurdischen Gebieten der Türkei führten.

Türkische Botschaft in Berlin mit Fotos von Adolf Hitler und dem türkischen Präsidenten Erdogan. ©PixelHELPER

Der PixelHELPER-Chef sagt: „Im Fall der Türkei wollten wir auf die Verfolgung der Opposition, die Unterdrückung der Pressefreiheit und die Selbstschussanlagen an der türkisch-syrischen Grenze aufmerksam machen.“

Ein Passant, der den kreativen Protest beobachten konnte sagt: „Es hat nicht lange gedauert, aber es hatte eine hohe Symbolwirkung. Die Türkei muss begreifen, dass die Welt jeden ihrer Schritte beobachtet. Die Unterdrückung der Meinungsfreiheit und die Verfolgung von Minderheiten kann nicht einfach ignoriert werden.“

Proteste gegen repressive Regime des Nahen Ostens steigen in den letzten Jahren vor allem in Europa. Mit der starken Berichterstattung der Medien über den IS, dem Widerstand der Kurden und der allgemeinen Situation des Nahen Ostens, stiegen auch im Westen die Zahlen derer, die sich für eine Verbesserung der dortigen Lage aktiv einsetzen.

Die Aktionen von PixelHELPER lassen nur hoffen, dass die Verantwortlichen in diesen Ländern auch einen Wandel hervorbringen, sei es auch nur um ihren eigenen Ruf zu wahren.

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