Biohacking: Gefahr oder Fortschritt?

Bergen, Norwegen - Biohacking findet seinen Weg in unser Leben. Doch was ist das eigentlich und wem nutzt Biohacking überhaupt?

Wenn man das Wort zu ersten Mal hört, denkt man wahrscheinlich an den stereotypen Computer-Nerd, dessen soziale Kontakte sich nicht über die Supermarktkasse oder Dönerbude hinaus entwickeln. Oder man denkt an Filme und Computerspiele; Hightech Cyborgs wie der Terminator. Doch Biohacking ist viel mehr. Es bezeichnet das aktive Nutzen von weltweit verfügbarem Wissen über Biologie und dessen Möglichkeit in unserem Alltag.

Ein gutes Beispiel ist der Fall eines Biochemikers aus Berlin, der Hundehaufen in seiner Straße aufgesammelte, um herauszufinden welcher Hundesbesitzer sich vor dem Saubermachen drückt. Er warf er jedem Hund, der ihm in der nächsten Zeit über den Weg lief einen Tennisball zu, mit dem der Hund dann auch spielte. Später im Labor verglich der Chemiker die DNS im Hundekot mit dem Speichel der Hunde und konnte damit schnell herausfinden, welcher Halter verantwortlich für den Dreck auf der Straße ist.

Biohacking ist aber auch viel mehr als die smarten Fähigkeiten eines Biochemikers; es erweitert unsere menschlichen Fähigkeiten. Der Biohacker Gabriel Licina hat sich den chlorophyllbasierten Farbstoff Chlorin e6 (Ce6) in seine Augen injizieren lassen um bei Dunkelheit sehen zu können. Abgesehen davon, dass er nun genauso coole, schwarze Augen hat, wie der Tiefseefisch, von dem diese Eigenschaft stammt, kann er nun bei Nacht und in Dunkelheit so gut sehen, dass er selbst auf 50 Meter einen Menschen vor einem Baum erkennen kann.

Ist das nötig, brauchen wir das? Kann man damit etwas Nützliches machen oder werden am Ende wirklich Supersoldaten mit eingebauter Nachtsicht herangezüchtet?

Tiefseefische nutzen Chlorin e6 um im Dunkeln zu sehen.

In Amsterdam hat Jonas de Vos hat seinen Körper über einen Computerchip mit seinem Haus verbunden. Ähnlich wie Tim Cannon, der sich im Jahr 2013 einen etwa drei fingerbreiten und -langen Circadia Chip hat in den Arm implantieren lassen, hat auch Jonas sich einem ähnlichen Verfahren unterzogen.

„Das geniale an dem Ganzen ist, dass sich mein Haus nach mir richtet, fast so cool wie bei Iron Man. Ich komme heim und frage erstmal Cortana [Microsofts Sprachassistent] nach einem Restaurant für ein Date am Abend, und der Chip in meinem Körper hat zuvor meine physischen Daten ausgewertet und entschieden, dass ich anstatt einer schnellen Dusche lieber ein entspannendes Bad nehmen sollte, bevor ich zum Dinner fahre. Das alles funktioniert heute elektronisch, ohne einen realen, menschlichen Hausangestellten. Jeder kann sich das bald schon leisten.“

Forscher glauben, dass wir in naher Zukunft schon eine enorme Verbesserung unserer Lebensqualität, dank Biotechnologien, Biohacking und Robotertechnik, erleben werden.

Und wieder die Frage: brauchen wir das denn? Wir als Kollektiv vielleicht nicht, doch einzelne Individuen ziehen ihren ganz eigenen Nutzen daraus. Seth Whale, ein ehemaliger US-Marine, der heute bei einer IT-Sicherheitsfirma arbeitet, hat sich einen Chip in die linke Hand zwischen Daumen und Zeigefinger setzen lassen, mit dem er über Nahfeldkommunikation (NFC) Malware auf Android Smartphones spielen. In den Händen von Kriminellen eine echte Gefahr. Man denke nur an private Fotos oder sensible Bankdaten.

Diese Beispiele schaffen einen groben Eindruck davon, was Biohacking kann. Einerseits ist es irgendwie cool, den eigenen Körper mit Funktionen zu pimpen und sich dadurch tatsächlich von der Masse abzuheben. Auf der anderen Seite können diese Fertigkeiten aber auch gefährlich werden, im besten Fall für den Biohacker selbst, im ungünstigsten aber für die Allgemeinheit. Am Ende muss jeder für sich entscheiden, ob er jetzt schon auf den, ins Rollen kommenden Zug, aufspringen möchte, oder doch erst in zehn Jahren Endnutzer sein will. Ganz ähnlich wie es bei den Smartphones der Fall war; Gebraucht haben wir sie damals nicht, wegzudenken sind sie heute jedoch ebenso wenig.

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